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PLA, PETG, ASA, ABS, TPU — welches Material wofür

MATERIAL · LESEZEIT ~9 MIN

Die Materialwahl entscheidet mehr über die Brauchbarkeit eines gedruckten Teils als jede Druckereinstellung. Ein perfekt gedrucktes Teil aus dem falschen Kunststoff versagt trotzdem — meistens dort, wo es warm wird oder die Sonne hinkommt.

Die folgenden Angaben sind Richtwerte für typische Handelsware. Zwischen Herstellern gibt es spürbare Unterschiede, besonders bei Zusätzen und Verstärkungen.

PLA
POLYLACTID · DER STANDARD

Der am einfachsten zu verarbeitende Werkstoff. Steif, maßhaltig, druckt sauber und verzieht sich kaum. Aus nachwachsenden Rohstoffen, aber im Alltag nicht kompostierbar — dafür braucht es industrielle Bedingungen.

FORMSTABIL BIS~55 °C
AUSSENnein
ZÄHIGKEITgering
KOSTENniedrig
Gut für
  • Modelle, Anschauungsteile, Prototypen
  • Vorrichtungen und Lehren im Innenbereich
  • Organizer, Halterungen ohne Belastung
  • Alles, wo Maßhaltigkeit wichtiger ist als Zähigkeit
Nicht geeignet für
  • Autoinnenraum — im Sommer reicht die Hitze zum Verformen
  • Außenbereich, alles mit Sonneneinstrahlung
  • Teile, die Schlag oder dauerhafte Biegung abbekommen
  • Nähe von Heizung, Motor, Elektronik mit Abwärme
PETG
POLYETHYLENTEREPHTHALAT, GLYKOLMODIFIZIERT · DER ALLROUNDER

Der beste Kompromiss für die meisten funktionalen Teile. Deutlich zäher als PLA, verträgt mehr Wärme, nimmt kaum Feuchtigkeit auf. Verwandt mit dem Material von Getränkeflaschen.

FORMSTABIL BIS~75 °C
AUSSENbedingt
ZÄHIGKEITgut
KOSTENniedrig bis mittel
Gut für
  • Halterungen, Klemmen, Adapter mit echter Belastung
  • Gehäuse und Abdeckungen
  • Feuchte Umgebung, Bad, Aquarienbereich
  • Teile, die eher nachgeben als brechen sollen
Grenzen
  • Im Dauereinsatz unter UV wird es mit der Zeit spröde
  • Neigt zu Fäden beim Druck — kosmetisch, nicht funktional
  • Weniger maßhaltig als PLA bei sehr engen Passungen
ASA
ACRYLNITRIL-STYROL-ACRYLAT · DER AUSSENWERKSTOFF

Speziell für Außenanwendung entwickelt. Bleibt auch nach Jahren unter Sonneneinstrahlung stabil und behält seine Farbe. Wird unter anderem für Fahrzeug-Außenteile verwendet.

FORMSTABIL BIS~95 °C
AUSSENja
ZÄHIGKEITgut
KOSTENmittel
Gut für
  • Alles, was dauerhaft draußen bleibt
  • Fahrzeugteile, auch im Innenraum bei Hitze
  • Gartentechnik, Halterungen an Fassaden
  • Teile in der Nähe von Wärmequellen
Grenzen
  • Neigt bei großen Flächen zum Verzug — braucht geschlossenen Bauraum
  • Höherer Aufwand im Druck, dadurch teurer
  • Geruchsentwicklung beim Drucken, Absaugung sinnvoll
ABS
ACRYLNITRIL-BUTADIEN-STYROL · DER NACHBEARBEITBARE

Der Klassiker aus dem Spritzguss. Temperaturfest und gut nachbearbeitbar — die Oberfläche lässt sich mit Aceton glätten, was bei keinem anderen gängigen Werkstoff so funktioniert.

FORMSTABIL BIS~90 °C
AUSSENnein
ZÄHIGKEITgut
KOSTENmittel
Gut für
  • Gehäuse, die glatt aussehen sollen
  • Teile, die geklebt, lackiert oder geglättet werden
  • Innenanwendungen mit Wärmebelastung
Grenzen
  • Nicht UV-stabil — draußen vergilbt und versprödet es
  • Verzug bei großen Teilen, geschlossener Bauraum nötig
  • Wird in vielen Fällen sinnvoll durch ASA oder PETG ersetzt
TPU
THERMOPLASTISCHES POLYURETHAN · DER FLEXIBLE

Gummiartig und elastisch. Die Härte lässt sich über den Shore-Wert wählen — von zäh-biegsam bis fast weich. Sehr abriebfest.

FORMSTABIL BIS~80 °C
AUSSENbedingt
ZÄHIGKEITsehr hoch
KOSTENhöher
Gut für
  • Dämpfer, Puffer, Schwingungsentkopplung
  • Dichtungen und Manschetten
  • Griffe und rutschfeste Auflagen
  • Schutzhüllen
Grenzen
  • Keine Formsteifigkeit — trägt keine Last
  • Deutlich langsamer im Druck
  • Enge Toleranzen schwierig, das Material gibt nach

Die drei Fragen, die die Auswahl entscheiden

Wie warm wird es? Das ist der häufigste Grund für Ausfälle. Ein Teil im Auto hinter der Scheibe erreicht im Sommer leicht 70 °C und mehr — PLA ist dort erledigt. Faustregel: Formstabilität mindestens 20 °C über der zu erwartenden Höchsttemperatur.

Kommt Sonne dran? UV zerstört die meisten Kunststoffe über Monate. PLA und ABS scheiden für dauerhafte Außenanwendung aus, PETG hält eine Weile, ASA ist dafür gemacht.

Was passiert bei Überlastung? Soll das Teil brechen oder sich verbiegen? PLA bricht schlagartig, PETG und ASA geben vorher nach. Bei sicherheitsrelevanten Anwendungen ist das ein wesentlicher Unterschied.

Lebensmittelkontakt
Hier hält sich ein hartnäckiges Missverständnis. Selbst wenn das Filament als lebensmittelecht zertifiziert ist, gilt das nicht automatisch für das gedruckte Teil. Zwischen den Schichten entstehen feine Rillen, in denen sich Keime festsetzen und die sich nicht zuverlässig reinigen lassen. Dazu kommen Rückstände aus der Düse und mögliche Verunreinigungen durch vorher gedrucktes Material.

Für dauerhaften Lebensmittelkontakt ist FDM-Druck ohne zusätzliche Beschichtung oder Abformung nicht geeignet. Für kurzen, trockenen Kontakt — etwa eine Schablone — ist es unkritisch. Im Zweifel bitte nachfragen.

Kurzübersicht

Anwendung Empfehlung
Anschauungsmodell, PrototypPLA
Halterung mit Belastung, innenPETG
Teil im FreienASA
Teil im AutoASA, mindestens PETG
Feuchtbereich, AquariumPETG
Gehäuse zum LackierenABS
Dichtung, Dämpfer, GriffTPU
Nähe WärmequelleASA oder ABS
Im Zweifel PETG. Für den Großteil funktionaler Teile im Alltag ist es die sicherste Wahl: zäh genug, warm genug, feuchtebeständig und preislich unauffällig. PLA nur, wenn Maßhaltigkeit im Vordergrund steht und es innen bleibt.

Was wir bei einer Anfrage wissen wollen

Sie müssen das Material nicht vorgeben. Nützlicher sind diese Angaben: Wo wird das Teil eingebaut, welche Kräfte wirken darauf, wie warm wird es dort, kommt Sonne oder Feuchtigkeit dazu. Daraus ergibt sich die Wahl meist eindeutig.

Wenn ein günstigeres Material ausreicht, sagen wir das — auch wenn ein teureres mehr Umsatz brächte.

Unsicher bei einem konkreten Teil? office@schicht-werk.eu